Sitemap |    Kontakt
 
   
Hauptstraße 32 | 3842 Thaya
Tel.: 02842/52663 | Fax: 02842/54354 | Mail: gemeinde@thaya.gv.at
 

Mag. Werner Neuwirth

Thaya – der größte Markt im westlichen Waldviertel (1590)

Glanzpunkte der Geschichte

 

  1. Steinzeitfunde

  2. Hügelgräber

  3. Thaya als Hauptort frühmittelalterlicher slawischer Besiedlung

  4. Unsere Ortschaften

  5. Eisenerzeugung und Eisenhandel – Hochtechnologie und wichtigster Wirtschaftszweig

  6. Kolonisation durch deutschen Hochadel

  7. Die Urkunde von 1175, in der Thaya erstmals genannt wurde, ahmt eine Kaiserurkunde nach

  8. Die Verbindung zu den Hohenzollern

  9. Unser Mittelalterdorf Hard

  10. Die Groß-Pfarre Thaya

  11. Das berühmte Siegel der „ehrbaren Bürger zu Thaya“ (um 1350) in deutscher Sprache

  12. Die Hussitenschlacht 1431

  13. Thaya in der Gewalt ungarischer und böhmischer Söldner

  14. Thaya wurde zum größten Markt im westlichen Mittelalter

  15. Zünfte 1237–1780: Waidhofen bildete mit Thaya das wirtschaftliche Zentrum des Waldviertels

  16. Aufstieg der Textilindustrie und des Monarchieweiten Schweinehandels

 

1.  Steinzeitfunde

Bruchstück eines Flachbeiles aus Grünschiefer, 8 cm lang, sowie bei der Stegmühle vier neolithische Steingeräte und Absplisse, die sich im Naturhistorischen Museum in Wien (Fundberichte 1, S. 120, Othmar Skala, 1931) befinden.

2.  Hügelgräber (slawisch, 1. Hälfte des 9. Jahrhunderts)

DI Hans Plach entdeckte im Hardwald und auf dem gesamten Höhenrücken östlich der Thaya eine größere Zahl von Hügelgräberfeldern, die sich im Bereich von Wegen befinden.

Eines wurde von Univ.-Prof. Dr. Herwig Friesinger am 23. und 24. Oktober 1976 geöffnet: zwei rechteckige Schächte (Länge: 1,80 bzw. 2,20 m, Breite: 80 bzw. 90 cm), an deren Basis die Reste einer grauen, leicht klebrigen Verfärbung mit einzelnen Holzkohleflocken.

 3.  Thaya als Hauptort frühmittelalterlicher slawischer Besiedlung

Thaya war der Siedlungskern der slawischen Besiedlung und ist von einer größeren Zahl von Orten mit slawischen Ortsnamen umgeben (Nieder- und Ober-Edlitz, Peigarten (Pregarten?), Eggmanns, Schirnes, Jarolden).

1175; von indogermanisch *dhem-/*dhm- „stieben, Dunst, Nebel; aber auch Rauch, Qualm“; urgermanisch *dunh-/*dung-; gemeingermanisch *Dūhja; Dyja, slavische Entlehnung, Übernahme aus dem Slavischen vor 750 („i zu ei“) ins Althochdeutsch-Bairische, im Bairischen auch das Kompositum *Tiaha.

 

 

 

 

 

 

 

 

4.  Unsere Ortschaften

Eggmanns
1230/1290 ca., slaw. Personenname Něgovan, Eindeutschung nach ca. 830.13 Urlehen (1369), 1590: 12, 1869: 17-107, 2011: 23-67.
Groß-Gerharts
1230/1290 villa (Dorf) Gerharts. Der Name leitet sich vom althochdeutschen Personennamen Gerhart (= kühner Speerkämpfer) her.14, später 24 Urlehen (1369), 1590: 30, 1869: 40-211, 2011: 63-208.
Jarolden
1230/1290, von slawisch *„Jar“ (= heftig) und Nachsilbe *-ot.20 Urlehen (K),1590: 24, 1869: 39-224, 2011: 45-91.
Nieder-Edlitz
1230/1290 erstmals urkundlich erwähnt. Der Name Edlitz leitet sich vom slawischen Wort sedlec (= Dorf) ab.20, später 26 Urlehen (1369), 1590: 39, 1869: 54-336, 2011: 74-171.
Ober-Edlitz
1230/1290 erstmals urkundlich erwähnt. Der Name Edlitz leitet sich vom slawischen Wort sedlec (= Dorf) ab.17, später 23 Urlehen (1369), 1590: 26, 1869: 36-167, 2011: 40-90.
Peigarten
1200 erstmals erwähnt. Altslawische Grundform *Prê gradê ‚ „vor  der Burg“ (vgl. Prägarten). „Grad“ bedeutet im Indogermanischen „eingefriedete Fläche“, verwandt mit deutsch „Garten“. Eindeutschung von „pre“ = „vor““ zu „Bei-“=“Pei-“.8 Urlehen, 1590: 8, 1794: 46-202, 1869: 88-496, 2011: 90-131. Siedlungserweiterung wegen Hausweberei durch Kleinhäuser ab 1789.
Ranzles
1230/1290 erstmals als Rentzleins urkundlich erwähnt. Der Name leitet sich vom althochdeutschen Wort Ranzo in dessen Verkleinerungsform Renzili her [vor 1050]. 10 Urlehen , 1590: 11, 1869: 13-75, 2011: 14-36.
Schirnes
1297 Schirneis, von altslawisch Černěj, “schwarz“, Eindeutschung ca. 1050: „sch“ statt slav. „č“.12 Urlehen (1369), 1590: 16, 1869: 18-81, , 2011: 19-56.
Thaya
1175; von indogermanisch *dhem-/*dhm-„stieben, Dunst, Nebel; aber auch Rauch, Qualm“; urgermanisch *dunh-/*dung-; gemeingermanisch *Dūhja; Dyja, slavische Entlehnung, Übernahme aus dem Slavischen vor 750 („i zu ei“) ins Althochdeutsch-Bairische, im Bairischen auch das Kompositum *Tiaha.40-45 Urlehen (K), 1590: 82, 1869: 110-781, 1880: 114-898, 2011: 266-565.

 

5. Eisenerzeugung und Eisenhandel­ – Hochtechnologie und wichtigster Wirtschaftszweig

Am Rand des Hardwaldes (auch Thaya-Hoad) wurde zumindest ab der slawischen Siedlungsperiode Jahrhunderte-lang Eisen aus Raseneisenerz erzeugt, verarbeitet und verkauft (zB Kleinhard 1130–1230/40).

Ab dem Ende des Mittelalters wurde die Eisenerzeugung an die Thaya (im Bereich der Kläranlage Thaya) verlegt, um die Wasserkraft zum Zerkleinern des Erzes sowie zum  Antreiben von Blasebälgen und Schmiedehämmern nützen zu können.

Grundvoraussetzung war immer die Möglichkeit, in großen Waldgebieten ausreichend Holzkohle erzeugen zu können.

Die zahlreichen Schmiede versorgten die Ackerbauern, Hirten und Handwerker mit Pflugscharen, Rechen, Sensen, Sicheln, Scheren, Meißelwerkzeugen, Hämmern, Äxten, Pferdegeschirr, getriebenen Blechtellern, Kesseln u. dgl.

Natürlich erzeugten sie auch Waffen: Speere, Wurfspieße, Streitäxte, Schwerter, Helme, Harnische . . .

 

6. Kolonisation durch deutschen Hochadel

Da Eisen als „das edelste Metall der damaligen Zeit“ für die Besiedlung so wichtig  war, war die planmäßige deutsche Kolonisation unseres Gebietes ab dem 11. Jahrhundert keinesfalls ein Anliegen eines kleinen lokalen Geschlechts, sondern der Kaiser und die Babenberger waren direkt und indirekt beteiligt.

Die Nachkommen des „miles Odalricus“ – des Ritters Udalrich – eines der treuesten Gefährten Kaiser Heinrich IV. im Investiturstreit– waren gleichzeitig Grafen von Raabs und Burggrafen von Nürnberg. Sie sind Zeugen zahlreicher Kaiserurkunden, und Friedrich II. nahm als Begleiter Kaiser Friedrich Barbarossas am 3. Kreuzzug teil.

7. Die Urkunde von 1175, in der Thaya erstmals genannte  wurde, ahmt eine         Kaiserurkunde nach

1175 wurde in Thaya eine Urkunde ausgestellt, in der bezeugt wird, dass Konrad von Raabs, zugleich Burggraf von Nürnberg, unkultivierten Wald im Ausmaß von 30 Hufen von seinem Eigengut den Johannitern überlassen hat. Diese berühmte, oft zitierte Urkunde enthält Stilmittel von Kaiser- und Königsurkunden.

Münichschlag (Mnich) lag bei Neubistritz. Die Folge der Rodung war ein Grenzkrieg, der 1179 zur Festlegung der Grenze zwischen Österreich und Böhmen durch Kaiser Friedrich Barbarossa führte.

8. Die Verbindung zu den Hohenzollern

Sophie von Raabs heiratete Friedrich von Zollern, weshalb dieser 1192 mit der Burggrafschaft Nürnberg belehnt wurde. Damit begann der Aufstieg der Zollern (Hohenzollern), bis sie 1871 zu Deutschen Kaisern gekrönt wurden.

Die zweite Schwester Agnes erhielt die Grafschaft Litschau – Heidenreichstein – Thaya und heiratete Gebhard II. von Hirschberg. Sie war die erste deutsche Frau, die ein eigenes Siegel hatte.

9. Unser Mittelalterdorf Hard

1230–1369 – von DI Hans Plach aufgefunden und von den Universitätsprofessoren Dr. Fritz und Dr. Sabine Felgenhauer-Schmiedt ausgegraben – ist die einzige vollständig ausgegrabene Ortswüstung in Österreich – eine archäologische Kostbarkeit, die Thaya in der Wissenschaft Europa-weit bekannt gemacht hat – vor allem auch durch das Buch von Dr. Sabine Felgenhauer „Hard. Ein Wüstungskomplex bei Thaya im niederösterreichischen Waldviertel“.

10. Die Groß-Pfarre Thaya

Im Rahmen der Kolonisation wurden auch Pfarren errichtet. Die Pfarrkirche in Thaya wurde um 1100 auch Zentrum eines großen Pfarrgebietes, das schließlich bis zum Reinberg reichte und wo weitere Kirchen in Klein-Zwettl, Gastern, Weißenbach, Klein-Motten, Eggern und Peigarten bestanden.

11. Das berühmte Siegel „der ehrbaren Bürger zu Thaya“ (um 1350) in deutscher Sprache

Ältestes Siegel mit deutscher Inschrift.

Ein vierseitiger Turm auf einem Sockel.

Die Vorderseite des Turmes ist zum größten Teil durch den österreichischen Bindenschild eingenommen. Zu jeder Seite des Turmes befindet sich auf einem gebogenen Stab ruhend ein kleines Wachtürmchen, jedes mit einem viereckigen Fensterchen und einem Giebeldach überragt.

12. Die Hussitenschlacht 1431

Die Hussiten fielen in Deutschland und im Norden Österreichs ein. Sie besetzten Thaya und errichteten hier – wahrscheinlich bei der Kirche – einen Tabor. Von hier aus plünderten sie im Norden Niederösterreichs. 1431 wurden sie auf einem Feld bei Waidhofen – 8 km von Thaya entfernt – besiegt, wobei die Landbevölkerung mitkämpfte. Die Gefangenen wurden nach Wien gebracht und hingerichtet.

13. Thaya in der Gewalt ungarischer und böhmischer Söldner

Der Ungarnkönig Matthias Hunyadi Corvinus konnte Böhmen, Mähren und große Teile Ostösterreichs nach dem Sieg über Kaiser Friedrich III. besetzen. 1485 übergeben die Puchheimer dem Ungarnkönig freiwillig ihren Markt Thaya. Nach dem Tod von Matthias Corvinus kämpften die Söldner jedoch weiter und wurden erst mit der Zerstörung des Marktes Thaya besiegt. Viele waren in der Nacht vor der Schlacht nach Norden geflüchtet, die Überlebenden wurden nach der Schlacht nach Wien gebracht und hingerichtet.

14. Thaya wurde zum größten Markt im westlichen Waldviertel

 

1590

1822

Zwettl

215

306

Eggenburg

206

210

Röschitz

149

189

Weitra

140

289

Waidhofen

138

251

Weitersfeld

137

159

Gmünd

117

234

Horn

100

192

Thaya

82

102

Litschau

81

179

 In den 1930-er Jahren wurde im Schlossarchiv Ottenstein eine Handschrift gefunden, die als  Bereitungsbuch bezeichnet wird. Die Bevölkerungszunahme zwischen 1590 und 1822 ist im westlichen Waldviertel vor allem auf die Weberei, die Glasherstellung, die Holzarbeit und die Möglichkeit zu Taglöhnerdiensten zurückzuführen. Waidhofen war zwar nicht die größte Stadt, sie befand sich aber in einer verkehrsmäßig sehr günstigen Lage und bildete zusammen mit dem Markt Thaya das Wirtschaftszentrum des Waldviertels.


15.
Zünfte 1237–1780: Waidhofen bildete mit Thaya das wirtschaftliche  Zentrum des   Waldviertels

Thaya:

Bäcker, Müller Weber, Schneider,
Schuster, Strumpfwirker,  Hufschmiede, Maurer, Steinmetze, Holzglaser,
Viehhirten-Bruderschaft

Waidhofen/Thaya:

Bäcker, Müller, Brauer, FleischhauerWeber, Schneider,
Schuster, Lederer, Riemer, Huter, Seidler (Seide),
Tuchmacher, Färber Hufschmiede, Schlosser Maurer,
Steinmetze, Wagner, Tischler, Hafner, Binder, Glaser


16.
Aufstieg der Textilindustrie und der Monarchieweite Schweinehandel

Viele Menschen waren als Spinnerinnen und Spinner beschäftigt – vor allem in jenen Zeiten, in denen die landwirtschaftlichen Tätigkeiten ruhten.

Bemerkenswert ist die Entwicklung in Peigarten: 1590 acht Häuser, 1794 46 Häuser und 202 Einwohner, 1869: 88 Häuser und 496 Einwohner. Siedlungserweiterung wegen Hausweberei durch Kleinhäuser ab 1789.

Zudem waren bei Weberfaktoren in Thaya rund 400 Weber beschäftigt, und zusätzlich gab es noch die selbstbewussten Zunftweber.

Diese besaßen das Kapital, das sie für den Einstieg in das ertragreiche Geschäft des Schweinehandels benötigten.

Der Hauptmarkt war Ödenburg (Sopron). 1881 verkauften Soproner Händler, die zum Großteil aus Waidhofen, Groß-Siegharts und Thaya stammten, 610.626 Schweine hauptsächlich an Schweinehändler, die wiederum aus dem Bezirk Waidhofen/Thaya stammten. Die Schweine wurden in Trieben von 500–600 Tieren nach Wien, Linz und Prag getrieben. Mit der Entwicklung des Eisenbahnnetzes wurden die Schweine auch per Bahn transportiert. Die Tiere wurden dann von Herden von 60–100 Schweinen ins „Gäu“ in Nieder- und Oberösterreich, Böhmen und Mähren getrieben und meist paarweise an Landwirte verkauft.

Das Geschäft war überaus einträglich, hatte aber einen hohen Kapitalbedarf, sodaß die Schweinehändler Geld auch von Landwirten borgten und gute Zinsen bezahlten.

 

 

 

 

 

17. Der  (ehemalige) Bezirk Waidhofen war eines der industriellen Zentren der k. u. k.  Monarchie

 2017/Geschichte.jpg

Besonders große Bedeutung erlangte die Gemeinde Thaya auch auf kulturellem Gebiet, was sich auch in großen Persönlichkeiten zeigt:

  • Univ.-Prof. Dr. Leopold Schönbauer (1888-1963, * in Thaya), ein berühmter Chirurg und Retter des Allgemeinen Krankenhauses in Wien in den letzten Kriegstagen 1945;
  • Dr. Franciscus Zak (* 1917 in Nieder-Edlitz), Bischof der Diözese St. Pölten von 1961 – 1991;
  • Univ.-Prof. Dr. Ernst Hanisch (* 1940 in Thaya), Univ.-Prof. für Neuere Österreichische Geschichte an der Universität Salzburg. Verfasser zahlreicher wissenschaftlicher Werke, u.a. des Standardwerkes der österreichischen Geschichtsschreibung „Österreichische Geschichte 1890-1990: Der lange Schatten des Staates. Österreichische Gesellschaftsgeschichte im 20. Jahrhundert“.

© Mag. Werner Neuwirth

 
© beas.at | Offizielle Website der Marktgemeinde Thaya